Sonntag, 20. Oktober 2013

Nach langer Zeit...


Hallo ihr Lieben,
3 Wochen sind seit meinem letzten Eintrag jetzt vergangen. 3 Wochen in denen auf den ersten Blick eigentlich nicht viel Großartiges passiert ist. Genau aus diesem Grund habe ich lange gewartet um doch etwas Anständiges in meinen Blog schreiben zu können. Doch beim zusammentragen der Ereignisse fällt mir doch auf, dass keine Woche vergeht ohne das man doch etwas wirklich Großartiges erlebt hat.
Jetzt sind wirklich wieder drei Wochen wie im Flug vergangen, in denen beim näheren Betrachten echt viel passiert ist und diese drei Wochen gipfelten dann noch in einem Großereignis was dumm wäre nicht zu erwähnen.
Also was ist nun passiert?
Ich beginne mal mit unseren geliebten Hühnern. Seit dem letzten Blogeintrag sind immer noch die 6 übrigen verlieben. Es gab keine Toten! Mittlerweile gedeihen die Küken echt prächtig und sind eigentlich nicht mehr als Küken zu bezeichnen. Die süßen fluffigen Tierchen haben sich in riesige weiße aggressive Hennen verwandelt. Jeden morgen müssen Judith und ich in den Stall um diese zu füttern. Wir haben damit begonnen diese Fütterungen mit unseren Kameras zu filmen, weil Worte nicht beschreiben können was in diesem Stall abgeht. Sobald wir die Stalltür öffnen eskalieren die Hennen total und haben jetzt sogar begonnen über 40cm in die Luft zu „fliegen“ und uns zu attackieren wenn wir versuchen die Feeder und Drinker mit Essen und Flüssigkeiten zu füllen. Diese Attacken enden oft in großer Schreierei von Judith aber meist von meinerseits. Gestern habe ich dann fast das Handtuch geworfen und bin schreiend aus dem Stall gerannt. Diese Tiere bringen mich manchmal echt zur Verzweiflung. Dennoch will ich die Zeit nicht missen, denn diese Tiere haben Judith und mir schon eine unvergessliche Zeit beschert.
Eigentlich soll uns der Tierjunge Kosmas bei der Arbeit mit den Tieren helfen, sieht es aber nicht ein und guckt lieber zu, lacht uns aus und bezeichnet uns als fett. Dem müssen wir nochmal gehörig in den Arsch treten.
Im Allgemeinen steht die Körperfülle aller Menschen hier total im Vordergrund. Man wird immer mit anderen verglichen. Während sich unsere Köchin Mahde stets darüber freut wenn sie meint zu sehen wir hätten ein Gramm zugelegt, wird uns von anderen hier gelegentlich gesagt, wir wären wohlgenährt. Ich habe Judith schon angekündigt, dass ich bald in den Hungerstreik treten werde wenn das so weitergeht.
Das mit dem Hungerstreik funktioniert nicht. Das habe ich sehr schnell gemerkt. Durch die regelmäßigen Einladungen von Menschen aus der Gemeinde oder Freunde wie zum Beispiel Michael Oguto oder Jared, wird man dann doch zum Essen gedrängt.
Die Einladungen gestalten sich dann immer als ein lustiges Beisammensein mit der ein oder anderen Soda und netten Geschichten, die man gegenseitig austauscht. So erfährt man dann doch nochmal interessante Fakten über das eigene Gastland.
 
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch noch an den fetten Afrikaner den ich in meinem letzten Blogeintrag erwähnt habe? Eines Morgens beim Frühstück grinste uns dieser nämlich aus dem Fernseher an. Da hatten wir doch wohl ne richtige Celebrity bei uns im Auto!!!
 
 
 
Neben der Arbeit mit den Küken bin ich immer noch regelmäßig im Health Center arbeiten.
Durch die Arbeit dort bekommt man unglaublich viel Kontakt zu den Menschen aus der Gemeinde. So langsam gestaltet sich die Arbeit aber doch ein bisschen einseitig, denn ich dokumentieren montags und donnerstags nur die Daten der Babys und Schwangeren. So war ich echt glücklich darüber, als ich dienstags zum ersten Mal mit HIV Patienten arbeiten durfte. Mir wurde von Rueben erklärt wie man den Bluthochdruck misst während  David einen Vortrag für die HIV Patienten zur Aufklärung und Vorsorge von AIDS hielt.
An einem Tag hat das Health Center für mich auch einen Fluchtort geboten als ich vor den Kindern im Kindergarten die Flucht ergriffen habe. Diese haben mich während meinem Besuch dort derart zerkratzt und angefallen, dass ich das nach 10min nicht mehr ausgehalten habe. Mittlerweile ist es aber besser geworden und komme ohne Kratzer von meiner Arbeit aus dem Kindergarten zurück.
 

 
Wenn wir dann mal nicht so viel zu tun haben ordern wir uns gelegentlich ein PikiPiki um in die nächst größere Stadt, Siaya zu fahren.
Dort erlebt man auch immer eigenartige Situationen oder Menschen. Ob das nun ein Mann ist der einen mit einer Holzpistole verfolgt und droht einen zu erschießen oder eine schwangere Frau die einen mitten auf der Straße anbrüllt, weil diese unfähig ist zu sprechen und mit dieser Brüllerei erreichen will, dass man ihr Geld gibt.
Auch die Fahrten nach Siaya oder Kisumu mit einem Matatu oder PikiPiki sind immer sehr erlebnisreich. Ob es nun an einem Nagel liegt, der aus dem Sitz ragt und einem ständig in den Rücken piekt oder ob es die Straßen sind die durch den Regen eigentlich nicht befahrbar sind aber man trotzdem versucht mit dem Motorrad voran zu kommen.
Langweilig wird es auf jeden Fall nie.
 
Es gibt dann auch mal Tage an denen man sich nicht so wohl fühlt. An einem Tag ging es mir richtig schlecht und ich bin zum ersten Mal als Patient ins Health Center. Dort wurde dann direkt ein Bluttest gemacht um mich auf Malaria zu testen. Der Test war negativ. Trotzdem wurde ich mit genau 69 Tabletten überhäuft, teilweise auch gegen Malaria, die ich dann in den darauffolgenden drei Tagen schlucken musste. Danach war ich dann aber auch wieder topfit und konnte meine Zeit wieder richtig genießen.
Gott sei Dank, denn den Sonntag darauf gab es eine riesige Harambee auf dem Parish compound um für das Wasserprojekt zu spenden. Wir hatten total viele Visitors, die wir dann zusammen mit Mahde bedient haben. Das hieß für uns tausend Teller abtrocknen und hunderte von Sodaflaschen öffnen und wegbringen.
Einer der Visitors war Moses, der gleich für eine ganze Woche geblieben ist. Mit Moses sind wir dann an einem Tag zusammen zu einer Freundin, Celina, nach Kabura marschiert. Dort haben wir dann einen Spaziergang zum River gemacht, der einfach genau das Bild wiedergespiegelt hat, das ich von Afrika kenne. Es war einfach das Afrika, welches man aus Dokumentationen und Filmen aus dem Fernseher kennt.
Ich hab dann zum ersten Mal eine Kokosnuss mit Hülle gesehen und wurde aus meiner Illusion gerissen, dass im Inneren der Kokosnuss Milch sei.
Wir haben dann die Kokosnuss gemeinsam verspeist und es war die beste Kokosnuss meines Lebens. Zu meiner großen Freude durften wir dann noch eine mit nach Hause nehmen.
 
 
Aber es ist nicht alles so Friede, Freude, Eierkuchen wie es zunächst scheint. An einem Tag habe ich von unserem Diakon erfahren, dass in der Nacht zwei Patienten im Health Center gestorben sind.
Das hat mich total umgehauen und habe doch beinahe das ein oder andere Tränchen verdrückt.
 
In den letzten Tagen durften wir dann noch Stephen Obok kennenlernen. Der Tag mit ihm war wirklich eine Bereicherung. Stephen ist ein ehemaliger Angestellter im Health Center, der in den letzten Jahren viel zeit mit den anderen Freiwilligen in Uradi verbracht hat. Er betreibt mittlerweile eine Apotheke in Uranga, dem Nachbardorf, die er uns gezeigt hat. Bei einer Flasche Soda hat Stephen uns dann wirklich interessante Fakten über das Thema HIV und Aids gegeben. Die Zahlen von HIV infizierten Menschen in unserer Region war so erschreckend hoch, dass ich wirklich erstmal schlucken musste.
Einige Tage später nach unserem ersten Besuch, waren wir dann nochmal in Uranga um einen Freund zu besuchen und wurden spontan auch von Stephen eingeladen kurz mal vorbeizuschauen. Kurzerhand hat er uns dann seinen Bruder vorgestellt, der HIV positiv ist, und wird durften ihm ein paar Fragen stellen. Für mich eine komische Situation Patienten direkt auf ihre Krankheit anzusprechen. Stephen hat uns dann versprochen in kommender Zeit gemeinsam in die Dörfer zu fahren um kranke Menschen zu besuchen, die den Weg ins Krankenhaus nicht mehr schaffen. Ich war hellauf begeistert und hoffe, dass wir so schnell wie möglich damit loslegen.
 
 
 
Der Ausflug mit Moses sollte aber nicht der letzte sein. George, der Schreiner, hat sich zu unserem Fremdenführer ernannt und ist an zwei Tagen mit uns ein bisschen herumgereist. Der erste Ausflug ging nach Kisumu um dort Jenny zu besuchen, die auch mal als Freiwillige in Uradi tätig war. Wir haben dann dort gemeinsam gefrühstückt und sind dann aufgebrochen um Kisumu zu erkunden. Wir waren dann in einem riesigen Supermarkt, der so westlich war, dass man sich fast heimisch gefühlt hat. Danach sind wir dann zu einer MiniMall, da ich mit Stoff für ein afrikanisches Kleid gekauft habe um dieses auf der Hochzeit von Rueben, einem Kollegen aus dem Health Center, zu tragen. 3 Tage später konnte ich das gute Stück schon abholen und ich bin mehr als zufrieden.
Nach dem wir alles in Kisumu erledigt haben sind wir mit George weiter nach St. Banabas. St. Banabas ist eine Secondary School für Mädchen, auf die Georges Tochter geht. Am besagten Tag war dort Visitors Day für die Eltern. Wir haben dann unsere „Schwester“ kennengelernt und haben zusammen auf der Schulwiese gepicknickt. George hat uns einige Tage später dann noch gesagt, wie sehr sich seine Tochter über unseren Besuch gefreut hätte und das sie nicht damit gerechnet hat, dass wir extra für sie nach St. Banabas kommen. Das hat Judith und mich total gefreut und wir freuen uns schon richtig darauf, wenn die Schüler in Kenia Ferien haben, weil wir dann die Gelegenheit haben nochmal ein bisschen zeit mit Georges Tochter zu verbringen. Auch die Mädchen aus der Secondary School in der wir unterrichten, haben uns für die Ferien zu sich nach Hause eingeladen und haben uns versprochen Affen gucken zu gehen die in Mwer, ganz in der Nähe von unserem Parish, leben.
 
 

Der zweite Ausflug mit George ging dann zu Obamas Place. Dort wohnt die Großmutter von Barack Obama. Sarah Obama ist in Kenia eine kleine Berühmtheit. Blöderweise waren wir 2 Stunden zu früh, sodass es uns erst mal in ein Resort verschlagen hat. Dort haben wir es uns dann mit der ein oder anderen Tasse Tee und Mandazi gut gehen lassen.

Nach dem guten Frühstück sind wir dann zurück und durften das Gelände betreten. Das Gelände wird stets von Securitymännern überwacht.

Wir hatten dann ein kurzes Gespräch mit Oma Obama, in Luo, sodass wir fast nichts verstanden haben. Am selben Tag haben wir dann ein Bild mit Oma Obama auf Facebook gepostet und viele kommentierten das Bild mit Fragen wie „Was habt ihr für Fragen gestellt?“ und „Was hält sie von der weltpolitischen Situation?“. Uns war ein bisschen peinlich zu zugegeben, dass wir keinerlei Fragen in diese Richtung gestellt haben.

Wir haben später dann noch die Gräber von Papa und Opa Obama angeschaut und sind dann auch schon wieder gefahren. Während George zurück nach Uradi gefahren ist, sind Judith und Ich weiter nach Kisumu und sind erst mal in den Green Garden gefahren um dort eine Pizza zu essen. Ich bin vor Glück fast ausgeflippt.

Den Rest des Tages haben wir dann in Kisumu verbracht und sind nachmittags zurück um vor der Dunkelheit wieder auf dem Parish zu sein.


 
Mit einigen Mädchen aus der Secondary School konnten Judith und Ich uns auch schon sehr gut anfreunden und Judith und Ich lassen es nicht aus, regelmäßig nachts zu Form 4 zu schleichen, die auf dem Compound übernachten. Mit den Mädels haben wir auch schon einige lustige Situationen erlebt.
 An einem Abend haben Judith und Ich uns vor die Schlafraumtür gesetzt während die Mädchen noch Unterricht hatten. Als diese dann nur irgendwelche Menschen im Dunkeln vor ihrem Raum sitzen sehen haben, sind diese erst mal schreiend ein paar Meter zurückgewichen bis wir uns mit „Mzungo“ (=Weißer) zu erkennen gegeben haben. Ich hab gedacht, dass ich der größte Schisser auf dem Parish Compound bin. Da hab ich mich wohl geirrt. Der Wahnsinn wie schreckhaft die Mädchen hier sind. Im November werden die Mädchen den Compound dann verlassen, weil sie die Schule dann abgeschlossen haben. Judith und Ich sind schon ganz traurig, weil wir die Mädels echt ins Herz geschlossen haben.
 
 

Nachmittags machen wir auch meistens bei den Aktivitäten der Secondary Mädchen mit. Ob das beim Singen im Chor oder beim Fußball spielen auf dem schlimmsten Fußballplatz auf dem ich je war ist. Während dem Fußball muss man stets darauf achten, dass man nicht in Kuhscheiße tritt oder in Löcher fällt, die hier und da auf dem Feld zu finden sind.

Der Ball wird auch mal uninteressant wenn ein Truck mit Musik am Fußballfeld vorbeifährt. Es wird dann einfach begonnen zu tanzen und das Spiel für einige Minuten unterbrochen.

 
Und jetzt zu dem Großereignis was ich am Anfang erwähnt habe.
Am Samstag hatten wir hohen Besuch und zwar vom Archbishop. Dieser kam zu Besuch um die Schülerinnen von Form 4 vor ihren wichtigen Abschlussexamen zu segnen.
Um es dem Bischof schön zu machen, haben wir den Tag vorher gemeinsam mit den Mädels die Klassenräume gefegt und gewischt und das Schulgelände gesäubert.

 
Wir haben dann über 2 Stunden auf den Bischof warten müssen. Als er dann endlich ankam hielt er eine Messe, die reichlich von Gesang und Tanz der Secondary Mädchen unterbrochen wurde. Die hatten für diese Auftritte nämlich schon Wochen vorher begonnen zu proben.

Die Messe nahm dann aber ein jähes Ende, da es einen so unglaublich heftigen Regeneinbruch gab, dass zwei der Festzelte umgeblasen wurden. Wir haben dann alle Schutz in der Schule gesucht. So schnell der Regen kam, hörte er auch wieder auf. Daraufhin habe ich dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen beim Fotografen machen lassen der vor Ort war.
So viel zeit für Fotos hatten wir aber nicht, da wir gemeinsam mit dem Bischof essen sollten.
Es gab ein riesiges Buffet und sogar eine 4stöckige Torte.

Als wir dann nach einem langen Tag zurück in unser Haus sind, haben wir etwas sehr blödes festgestellt. Während wir den ganzen Tag nicht auf dem Compound waren, hat irgendwer versucht bei uns einzubrechen. Gott sei Dank war er nicht erfolgreich, sodass wir „nur“ drei kaputte Fenster haben, die aber jetzt ganz schnell repariert werden sollen.

 
Wie man sieht ist doch einiges passiert die letzten Wochen.

Ich hoffe ich schaffe es jetzt mal regelmäßiger in meinen Blog zu schreiben. Die langen Einträge möchte ich nämlich wirklich keinem mehr zumuten.

 



Donnerstag, 26. September 2013

23 Tage Kenia

Hallo ihr Lieben,

ich bin jetzt schon 23 Tage hier in Kenia und es ist einfach unfassbar wie viel man hier erlebt. Es geschieht einfach so viel, dass es unglaublich schwer ist Zeit zu finden etwas in den Blog zu schreiben.
Durch all die vielen Erlebnisse und Eindrücke ist es total schwer alles richtig zu behalten. Manche Dinge sind einfach so unbeschreiblich, dass es unheimlich schwierig ist diese in Worte zu verpacken.

Ich beginne einfach mal mit der vorletzten Sonntagsmesse, die ist mir sehr im Gedächtnis geblieben.
Das liegt glaube ich vor allem daran, dass dies die längste Messe meines Lebens war.
An diesem Sonntag war nämlich ein Chor aus Nairobi zu Besuch, der mit unserem Chor aus Uradi eine Messe feiern wollte. Die Messe ging über 3 Stunden und hat mich völlig fertig gemacht. Mit hunderten von Menschen in der Kirche war die Hitze unerträglich. Außerdem sorgten die tanzenden Mädchen in den Gängen kurzzeitig für einige Verwirrung meinerseits.
Ich muss gestehen, dass mich die lockere Art der Menschen hier immer wieder begeistert. Die Musik und der Tanz in der Kirche erinnern einen immer mehr an einen Jahrmarkt als an eine Messe.
An dem Tag war auch noch Father Steven zu Besuch, der einfach eine total coole Socke war.
Abends waren wir dann bei Father Samuel eingeladen, einen Freund von unserem Father. Wir sind extra sehr früh losgefahren, weil Samuels Parish am Viktoriasee liegt.

Die Fahrt dorthin war einfach die lustigste Autofahrt meines Lebens. Sie begann damit, dass Father Oscar eine deutsche CD mit ins Auto brachte. Deacon war gar nicht davon begeistert und Father Steven war es egal, weil er nach 1min Fahrt sofort an Judiths Schulter eingeschlafen ist.
Judith und Ich haben die Musik auf unserem Rücksitz einfach nur gefeiert.
Doch wir kamen nicht weit. Direkt in Uranga, 5min von unserem Parish entfernt wurden wir von Menschen angehalten, die ein Stück mit uns fahren wollten.
Hier in Kenia ist das natürlich kein Problem und ungefähr 20 Leute haben sich hinten auf die Ladefläche unseres Pick Ups gequetscht.
Aber anstatt sofort weiterzufahren blieben wir noch kurz stehen was laut Judith und mir ein fataler Fehler war. Am Fenster stand ein Mitglied des Chors aus Nairobi und wollte auch noch mitgenommen werden. Das wäre eigentlich kein Ding gewesen aber der Mann war fett.
Ungefähr 200kg quetschten sich also nun nach vorne auf den Beifahrersitz zusammen mit Deacon.  Das folgende Problem war nun das man die Tür nicht mehr schließen konnte. Auf dem Rücksitz wurden Judith und Ich von unterdrücktem Lachen geschüttelt. Der Mann aus Nairobi rüttelte gefühlte 5min an der Tür bis er es aufgab die Tür zu schließen. Also musste ein netter Mann aus Uranga dies übernehmen. Er nahm mind. 5m Anlauf und sprang mit voller Wucht gegen die Tür, sodass sich die Tür schloss, dabei aber unser Deacon fast durch die Ritze des Beifahrer- und Fahrersitzes zu uns auf die Rückbank geschleudert wurde. Judith und Ich konnten uns darauf nicht mehr halten und sind in schallendes Gelächter ausgebrochen. Father Steven war ganz unbeeindruckt und schlief weiter.
Als dann noch der fette Mann aus Nairobi anfing Kirchenlieder auf Luo zu singen und die Hitze
 im Pick Up immer weiter stieg haben Judith und Ich aus Wut die fürchterliche LuoCD in die Ritze von
zwei Autositzen gestopft. Uns war beiden klar:  Wir werden nie wieder so einen Menschen wie den
Typ aus Nairobi treffen. Er war einfach der Wahnsinn.

 

Montags sind wir dann nach Kisumu gefahren. Dort sollten wir den Bischof besuchen, den ich später
peinlicherweise in Lwak verwechselt habe. Aber das kommt später noch.
In Kisumu sind wir dann zum ersten Mal auf die anderen Freiwilligen getroffen und Judith und Ich
Haben total mit unseren Chicken geprahlt. Immerhin waren ja noch 52 am Leben.
Der Bischof sollte uns ein Missionary Visum ausstellen, da wir momentan nur ein Touristenvisum
besitzen, welches nur 3 Monate lang gültig ist.
Erst am späten Abend sind wir wieder in Uradi angekommen und müde in die Betten gefallen.

Am nächsten Morgen sind Judith und ich vor dem Frühstück zum Stall der Küken. Ich war noch nicht
ganz angekommen da hörte ich schon Judiths verzweifelte Stimme „Miriam?? Da sind irgendwie nur
noch voll wenig Küken drinne“
Es waren noch genau 10 von 52.
Ich bin dann um den Stall und habe einen Haufen von toten Küken auf dem Boden liegen sehen.
Meine Reaktion war dann erstmal diese „KOOOOOOOOOOOOOOOOOOSMAAAAAAAAAAAAAAAAA!“
Daraufhin ist unser Tierjunge Kosma zu uns geeilt um das Dilemma unter die Lupe zu nehmen.
Er hob jedes Küken hoch drehte es in seiner Hand und wollte herausfinden wie diese gestorben sind.
Ich hab dann begonnen mit Kosma zu diskutieren, weil er der Meinung war das 10 Küken 42 Stück
totgetrampelt hätten.
Die Diskussion fand dann aber ein jähes Ende, da wir tote Tiere auf dem Dach entdeckten. Ohne
Kopf. Auf die Frage weshalb die Tiere keinen Kopf mehr hatten wusste keiner eine Antwort.
Kosma vermutete daraufhin ein Tier, welches die Küken ermordet hat.
Judith und Ich sind dann auf die Suche nach dem Täter gegangen
Da wir die Küken abends dem Watchman überlassen, war meine erste Reaktion „Den Wachtman
knüpf ich mir auch noch vor und dann reden wir mal darüber was letzte Nacht wirklich passiert ist!“
Da wir Angst hatten, dass die restlichen 10 auch noch sterben haben wir diese mit in unser Haus
genommen was sich im Nachhinein als schlechte Idee erwiesen hat.
Mittlerweile leben auch nur noch 6 Stück.
Diese Küken rauben einem echt den letzten Nerv. Ich erinnere mich an eine Situation, in dem ein
Küken, den Kopf im Feeder stecken hatte und sich so verkrüppelt hatte, dass es da nicht mehr ohne
Hilfe rauskam. Nachdem ich es befreit hatte hab ich mich erstmal an den Türrahmen gelehnt und
Judith vollgeheult, dass ich die Küken hasse uns sie mich krank machen.
Aber das stimmt nicht so ganz. Trotz der ganzen Hasstiraden hat man sie doch irgendwie ins Herz
 geschlossen.

Den Donnerstag darauf bin ich dann zum ersten Mal ins Health Center um dort zu arbeiten.
An zwei Dinge erinnere ich mich besonders. Zum einen habe ich einen Jungen getroffen der einen
Unfall mit einem Motorrad hatte. Motorräder dienen hier oft als Transportmittel und heißen hier
PikiPikis. Man hat dann einen Fahrer und wird zu dem Ort gebracht, zu dem man gerne möchte.
Der Fahrer des Pikipikis, welches einen Unfall hatte, ist nach dem Unfall abgehauen und hat den
verletzten Jungen auf der Straße liegen lassen.
Zum anderen habe ich Benson, beim Verbandwechsel geholfen und dort habe ich die krasseste
Wunde meines Lebens gesehen. Während ich mir die Wunde anschaute, die sich komplett über das
Schienbein zog und mindestens einen Zentimeter tief war wurde mir so schlecht, dass ich beinahe
umgekippt bin und ich mich erstmal setzen musste. Der Junge mit der Wunde erzählte mir dann, dass
 er diese seit über einem Jahr hat und die nicht richtig verheilt, weil er nicht an die richtigen
Medikamente kommt.
Ich fand das so furchtbar. In Deutschland hätte man diesem Jungen zu 100% das Bein abgenommen,
weil alles einfach total entzündet war.
 
Donnerstag und Freitag geben Judith und Ich jetzt auch immer Deutschunterricht.
Donnerstags unterrichten wir die Form I und freitags die Form II.
Die Schüler haben sofort den Wunsch geäußert mit uns zu singen, was wir ihnen heute schon mal
erfüllt haben.
Als wir freitags zur Form II gekommen sind, wollten diese uns ein bisschen etwas von ihren Tänzen
und Gesängen zeigen.
Dies gipfelte dann in tanzenden Schülerinnen die zwischen den Gängen hüpften und unglaublichen
Lärm, sodass Judith und Ich einen ziemlichen Anschiss von der Principle erwarteten.




 
 
Samstags haben wir dann unseren Father zu zwei Hausmessen begleitet.
Die erste Hausmesse war eine Anniversary. Nach der Messe sollten wir uns dann den Gästen
vorstellen was leider ein bisschen problematisch war, da Judith und Ich im selben Moment einen
Brocken Kuchen essen sollten und ich mit vollem Mund dem Father zu verstehen geben wollte, dass
wir noch ein bisschen bräuchten.
Der Father hat nach der Messe ein Schaf geschenkt bekommen, welches dann auf der Ladefläche des Pick Ups platziert wurde. Nach 10min war die Ladefläche komplett zu geschissen und ich
bemitleidete die Menschen, die dort hinten mit dem Schaf auf der Ladefläche mitfahren mussten.
Zur Info. Das Schaf ist vorletzte Nacht verstorben. Uns es war nicht unsere Schuld (Zitat Judith)



 
Danach ging es dann zur zweiten Hausmesse, eine Beerdigung.
Gefühlt war dies der heißeste Tag den wir in Kenia bisher erlebt haben und Judith und Ich mussten
uns mit über 100 Gästen unter ein Zelt quetschen.
Diese Beerdigung war das groteske was ich je erlebt habe. Während der Sarg in das Loch gehoben
wurde begann ein Chor unglaublich fröhliche Musik zu machen.  Das war alles schön und gut bis sich
die Frau neben mir auf den Boden schmiss und richtig anfing zu schreien und zu weinen. Guckte man
in die Runde taten es ihr einige Frauen gleich. Nach der Beisetzung standen diese Frauen dann auf
und gingen munter zum essen. Deacon klärte uns später dann auf und sagte, dass dies so genannte
Klageweiber waren. Es gibt sogar Beerdigungen da werden diese extra engagiert.
 
Sonntags nach der Messe hatten wir dann vor nach Lwak zu fahren.
Doch unser Father hat sich plötzlich nicht wohlgefühlt und wir mussten daraufhin PikiPikis nach Siaya nehmen. In Siaya haben wir dann knapp eine Stunde im Regen auf die Freiwilligen und den Father aus Sega gewartet, die uns mit nach Bondo nehmen wollten. In Bondo sind wir dann nochmal mit dem PikiPiki weiter und haben nach über 3 Stunden Lwak erreichen können.
In Lwak haben wir dann mit allen Freiwilligen Father Matthews Geburtstag gefeiert.
Jetzt greife ich nochmal die Geschichte mit dem Bischof auf.  Im Sitting Room saß nämlich ein Mann,
der genau die selben Klamotten an hatte wie der Bischof und ich hab sofort begonnen ihm zu
erzählen wie nett ich es gefunden habe ihn am Montag getroffen zu haben bis der richtige Bischof in
den Raum trat und ich dann erst feststellte, dass ich mit irgendwem falsches gesprochen hatte.
In Lwak haben wir dann auch noch in meinen Geburtstag rein gefeiert und pünktlich um 0:00 nach
kenianischer Zeit habe ich meine Geburtstagskerze auf der Dachterrasse ausgeblasen. Wir haben
dann alle die Nacht in Lwak verbracht.
 
Am nächsten Morgen sind Judith und Ich dann mit Vicky und David, die Freiwilligen aus Sega, nach
Hause aufgebrochen. Wir haben uns dann wieder ein PikiPiki nach Bondo geschnappt um dort ein
Taxi zu nehmen. Das Taxi wurde uns von Father Lawrence, dem Father aus Sega, empfohlen.
Aber Taxi? Von wegen!
In jeder Minute stiegen immer mehr Leute in den PKW ein, sodass letzendlich 13 Leute in dem Taxi
mitfuhren.


 
So hatte ich mir meinen Geburtstag eigentlich nicht vorgestellt aber wir machen hier aus jeder
Situation das Beste, sodass wir auch während dieser Taxifahrt den Spaß unseres Lebens hatten vor
allem wenn die verzweifelten Schreie von Vicky von der Vorderbank zu uns an die Rückbank drangen „Leute, ich hab den Schaltknüppel im Hintern!“.
Wir brauchten dann über 4 Stunden bis wir endlich wieder in Uradi waren und da erwartete uns noch eine unschöne Überraschung.
Während unseres Kurztrips nach Lwak waren unsere Küken ausgebrochen und haben unser
komplettes Haus vollgeschissen. Den Geruch könnt ihr euch gar nicht vorstellen.
Wir haben dann erstmal alles sauber machen müssen und sind nach dem Abendessen dann tot müde ins Bett gefallen.
 
Am nächsten Tag, Dienstag, sollten dann alle Freiwilligen zu uns kommen um mit mir meinen
Geburtstag zu feiern.
Judith und Ich haben dann ein paar Betten für David und Vicky gemacht und sind ins Opar um Soda
und eine riesige Stange Zuckerrohr zu kaufen.
Made hatte den ganzen Tag für uns alle gekocht und wir haben uns es Abends dann richtig gut gehen lassen.
Nach dem vermurksten Tag an meinem Geburtstag, hatte ich mir das dann aber auch verdient.
Mittwochs habe ich dann Vicky und David unseren Parish compound gezeigt.
Nachdem die beiden dann abgereist sind, haben Judith und Ich das Fußballtraining der Secondary
Girls beobachtet. Währenddessen kam ich mit einigen ins Gespräch und mir wurden viele Fragen
gestellt beispielsweise weshalb ich keine Nonne werden möchte. Ich hab ihnen daraufhin erklärt,
dass ich später eine Familie möchte und mir wurde prompt der Bruder eines Secondary Mädchens
versprochen.
 
Meine Freizeit verbringe ich oftmals  damit unserer Köchin, Made beim Fahrrad fahren zuzugucken
oder mit Kosma Musik zu hören. Man darf auch nicht die regelmäßigen Folgen Kenny vs. Spenny
 vergessen, die Judith und ich jeden Abend vor dem Abendessen schauen.
Manchmal finden Judith und ich uns auch im Wohnzimmer wieder und lästern über die Haare der
Principle oder spielen mit unserer Katze Lucy oder unserem neuen Hundewelpen Kim.
Gelegentlich fahren wir auch mit Felix nach Siaya um ein paar Besorgungen zu machen. Das ist immer total gemein, weil Judith immer vorne sitzen darf!
In der letzten Woche haben Judith und Ich uns dann noch den Sonnenuntergang angeschaut für den es echt keine Worte gibt.
Aber das ist hier echt oft so. Wir stecken manchmal in Situationen in denen wir später immer sagen
„Ich weiß gar nicht wie ich meinen Freunden oder meiner Familie verständlich machen soll, was hier
gerade passiert!“
 
Die 23 Tage sind echt wie im Flug vergangen und ich freue mich auf alle weiteren die ich hier
verbringen darf.

Freitag, 13. September 2013

Eineinhalb Wochen Uradi Parish Paradise


Ich bin jetzt schon gut über eine Woche in Kenia und hab in dieser kurzen Zeit schon so viel erlebt und Eindrücke gewonnen, dass ich gar nicht so recht weiß wo ich beginnen soll.

 

Am 03.09 ist unser Flieger von Frankfurt nach Kairo gestartet, da wir dort einen Zwischenstopp hatten. Der Flug an sich verlief ganz gut, doch hab ich schnell bemerkt, dass mir das Flugzeugessen nicht so gut bekommen ist, sodass ich die nächsten zwei Flüge und den gesamten nächsten Tag unter heftigen Bauchschmerzen und Übelkeit gelitten habe. Der Flug von Kairo nach Nairobi verlief auch ganz gut. In Nairobi erwartete uns dann eine provisorisch hergerichtete Ankunftshalle, da der Flughafen in Nairobi ein paar Wochen vor unserem Flug abgebrannt ist.

Die Empfangshalle bestand aus großen, weißen Zelten. Ein Gepäckband gab es nicht, deshalb wurden alle Koffer einfach in ein Zelt gestellt und wir mussten uns die dann holen. Ich hab nicht erwartet, dass wirklich jeder seine zwei Gepäckstücke bekommt.

Danach sind wir dann mit einem klapprigen Bus zu unserem Gate gefahren. Dort hatten wir das Problem, dass für den Flug nach Kisumu nur ein Gepäckstück gebucht war. Trotz langer Diskussion mussten wir 270§ draufzahlen, die Julius Gott sei Dank vorstrecken konnte.

Nach 50min sind wir dann in Kisumu angekommen und haben auf unsere Fathers gewartet, die uns abholen sollten.

Unser Father kam mit André einem deutschen, der in Uradi ein ChickenProjekt ins Leben gerufen hat.

Mit den beiden sind Judith und Ich dann nach Kisumu um dort Jenny zu treffen, die 2011/2012 in Uradi war.

Der Father musste dann mit dem Auto in die Werkstatt und Judith und Ich sind dann mit Jenny und André und den Freiwilligen aus Sega, die eine Autopanne hatten, an den Viktoriasee um dort Tilapia zu essen. Das ist Fisch der mit Gemüse und Ugali serviert wird.

Zum Viktoriasee sind wir dann auch zum ersten mal mit sogenannten TukTuks gefahren, was eine sehr abenteuerliche Fahrt war, da wir uns zu viert hinten in ein TukTuk reingequetscht haben. TukTuks sehen aus wie Dreiräder mit einem Motor.

Insgesamt sind hier Fahrten auf den Straßen unglaublich holprig. Ständig fährt man über Schlaglöcher oder Bumper.

Nach dem Trip nach Kisumu hatten wir dann noch einen kurzen Stopp in Sega. Dort haben wir dann wieder was zu essen bekommen. Hier in Kenia muss man ständig essen und ist man satt und möchte nichts essen wird so lange diskutiert bis man doch überredet wird noch etwas zu essen. Dieses Spielchen haben wir fast jeden Abend mit unserem Deacon, der unglaublich gut darin ist einem zum Essen zu nötigen.
Dennoch muss man sagen, dass wir hier sehr gerne essen, da unsere Köchin, Made (=Mutter) unglaublich gut kocht.

In Uradi sind wir dann erst abends angekommen und haben Abendessen bekommen. Danach sind Judith und Ich auch schnell ins Bett, weil wir sehr müde von dem Flug waren.

Wir sind sehr gut in Uradi aufgenommen worden. Durch André sind wir sofort zum Arbeiten motiviert worden und sind jetzt Teil seines Chicken Projekts. Wir sind beispielsweise schon Bäume fällen gewesen um Gehege für die Hühner zu bauen und haben Ställe gesäubert und desinfiziert.

Made nennt uns ihre Töchter. Deshalb müssen wir ihr jeden Tag beim abtrocknen des Geschirrs helfen, weil die Töchter in Kenia ihren Müttern bei der Hausarbeit helfen müssen.

Am ersten vollständigen Tag in Uradi hat uns Father Oscar zu einer homemass nach Uranga mitgenommen. Nach der Messe wurden wir dann zum Lunch eingeladen. Das ist hier so gang und gebe. Die Rückfahrt nach Uradi sind wir dann mit einem lebenden Huhn im Fußbereich des Autos angetreten, da der Father nach Messen oft Geschenke mitbekommt.


Sonntags ist auf dem Parishgelände eine große Sonntagsmesse. In der mussten wir uns dann auf Luo vorstellen.
George, der hier als Schreiner arbeitet, hat uns bei der Vorbereitung unserer Rede unter die Arme gegriffen, sodass wir uns nicht ganz blamiert haben.
Die Messen hier sind ganz anders als in Deutschland. Die Menschen singen unglaublich viel und mit total viel Elan. Der Gesang wird dann meist mit einer Trommel und dem Keyboard begleitet.
Nach der Sonntagsmesse haben Judith und Ich dann tausend Hände geschüttelt, da jeder uns nochmal persönlich begrüßen wollte.



Danach standen dann ganz viele Kinder vor unserem Haus. Mit denen haben wir dann noch ein paar Stunden mit Seifenblasen gespielt. Es ist echt faszinierend, wie lange man die Kinder damit beschäftigen konnte.

Montags hat unsere Köchin frei. Deshalb ist es jetzt unsere Aufgabe Montags zu kochen.
Zu unserem Glück hatten wir André, der wusste wie man schlachtet. Deshalb haben wir morgens eine Ente gekauft um die für das Abendessen zuzubereiten.
Wir haben den ganzen Tag zum kochen gebraucht, da wir zum Mittagessen French Fries machen wollten, die allerdings 4 Stunden gebraucht haben. Nach dem Lunch haben wir dann sofort begonnen die Ente zu schlachten, zu rupfen und zu entnehmen.
Dazu haben wir dann Klöße nach deutscher Art zubereitet.
Der Tag hatte gefühlt eine Bilanz von 100 geschälten Kartoffeln, 10 gefüllten Mägen und einer gekillten Ente.



Dienstags sind Judith und ich dann zum ersten Mal in den Kindergarten um dort zu arbeiten.
Wir hatten gerade mal einen Fuß auf das Gelände gesetzt da schrie schon das erste Kind „MZUNGU“ (=Weißer) und prompt hatten Judith und Ich mindestens zehn Kinder an einem Arm. Die Kinder haben jedes Stück Haut belagert was sie finden konnten und und haben unsere Haare angefasst und kontrolliert ob unsere Haut weiß abfärbt. Wir haben dann mit den Kindern gespielt und bei der Porridge Pause geholfen. Wir haben dann beschlossen dem Kindergarten ein paar neue Becher zu kaufen, da der Porridge in von Ratten angefressen Bechern serviert wird.

Nach dem Tag im Kindergarten war ich schmutziger als nach einem Tag Stallarbeit.

An einem Tag sind wir auch zu George nach Hause um dort Bäume zu pflanzen, da George André ein Stück Land geschenkt hat, damit André dort ein Haus bauen kann.
Wir haben dann in einer Art Zeremonie gemeinsam eine Flasche Soda geöffnet und angestoßen und danach ein paar Löcher gebuddelt und die Bäume hineingesetzt.



Vorgestern hatte ich dann auch mein erstes Stück Zuckerrohr und hab schnell gemerkt, dass ich unfähig bin das zu essen, da mir Made das Zuckerrohr zuschneiden musste und sagte, dass sie das so auch immer für ihr Baby machen muss.

 

Zur Unterkunft:

Judith und Ich sind um FSJ House untergebracht. Das Haus hat 6 Zimmer. Zwei Schlafzimmer, ein Gästezimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad und ein Abstellraum.

Unsere Schlafzimmer sind mit einem Schrank, einem Bett, einem Waschbecken und einem Nachttisch ausgestattet. Gelegentlich verirren sich mal ein paar Geckos in unser Haus, die aber überhaupt nicht stören, da sie die Insekten essen.

Wir müssen uns momentan aus Eimern waschen, was aber gar nicht so schlimm ist wie erwartet. Wir haben zwar fließendes Wasser aber das kommt nur aus den Wasserhähnen uns ist kalt.

 

 

Zum ChickenProjekt:

Gestern haben wir die One-Day-Chicken aus Kisumu abgeholt. Die sind einfach noch total klein und mega fluffig. In Kisumu hatten wir dann auch ein One-Day- Training, um zu lernen, wie man diese gegen Krankheiten versorgt und füttert.

Danach mussten wir dann noch einiges an Medikamenten und Futter kaufen. Leider ist uns aufgefallen, dass dies alles Unmengen an Geld kostet und hatten zu wenig mit um uns komplett mit dem Futter für die ersten 5 Wochen einzudecken.

Auf dem Rückweg von Kisumu nach Uradi hatte ich wirklich Angst, dass die Hälfte der Hühnchen auf dem Weg sterben, da die Straßen einfach so unglaublich schlecht sind.

In Uradi haben wir dann den Ofen und das Gehege desinfiziert und die Hühnchen in ihr neues Heim gesetzt. Judith und Ich müssen jetzt Tag und Nacht alle zwei Stunden nach dem Ofen sehen um zu kontrollieren um den Chicken nicht zu kalt oder zu warm ist.

Gestern Nacht hat der Watchman die Nachtschicht für uns übernommen.

Wir haben auch extra Gummistiefel für uns und Kosma, der Tierjunge, gekauft, damit der Stall „steril“ bleibt.

Judith und Ich sind jetzt nun Mütter von 52 Babyhühnern.

Wenn die Hühner groß genug sind können wir diese verkaufen. Dadurch kann die Gemeinde eigenständig sehr viel Geld verdienen.
 
 

 

Insgesamt fühle ich mich sehr wohl hier. Ich verstehe mich sehr gut mit Judith und wir erleben in kürzester Zeit die skurrilsten Dinge.


 

Montag, 2. September 2013

Abschied

Hallo ihr Lieben,
die Zeit ist gekommen und es heißt Abschied nehmen.
Nachdem ich am Samstag auf meinem Abschiedsabend die Möglichkeit hatte, mich wunderbar von meinen besten Freunden zu verabschieden musste ich mich nun heute auch noch von meinen Großeltern verabschieden.
Jetzt sind es nur noch wenige Stunden bis zu meinen Abflug und die Euphorie wird doch nun mehr als erwartet von den vielen Abschieden getrübt.
Ich bin mir aber sehr sicher, dass diese in Kenia wieder voll präsent sein wird.
Ich verabschiede mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge und hoffe, dass auch meine geliebten Menschen hier ihren Weg einschlagen.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Einstieg ins Studium, in euer FSJ oder viel Erfolg in euer Findungsphase!

Ich hab euch lieb!

Samstag, 17. August 2013

10.08- Afrika Festival

Am 10.08 besuchte ich mit einigen Teilnehmern des fid- Seminars das Afrika Festival in Köln.
Nikolas, ein Mitreisender nach Kenia, und ich packten die Situation beim Schopf und sprachen einige Afrikaner nach ihrer Herkunft an.
Von einem Afrikaner aus Tansania wurden wir in ein längeres Gespräch verwickelt und tauschten E-Mail Adressen aus um in Kontakt zu bleiben.
Während eines Gespräches mit einer Frau aus Nairobi wurden Nikolas und mir die Gastfreundlichkeit der Afrikaner so richtig bewusst. 
Die Frau lud uns ein sie besuchen zu kommen und auch mit ihr tauschten wir Kontaktadressen aus um in Kontakt zu bleiben und sie bei möglichen Fragen oder Problemen zu Rate zu ziehen.
Neben netten Menschen lernten wir auch afrikanisches Essen und Musik kennen.
Besonders die Hefeteigbällchen mit Kokosnuss waren ein beliebter Snack bei uns fid- Teilnehmern.
Nach diesem Festival bin ich jetzt auch stolze Besitzerin zwei Afrikanischer Hosen, die ich in Kenia auf ihre Tauglichkeit testen werde.

Hier noch ein paar Eindrücke:

Der Stand der netten Frau aus Nairobi


Die Hefeteigbällchen


Nikolas und Ich

fid- Seminar

Hallo ihr Lieben,
ich bin gestern von meinem 10- tägigen Vorbereitungsseminar zurückgekommen. 
Das Seminar fand in Köln- Deutz in den Räumen des AEGH statt.
Insgesamt waren wir 27 Teilnehmer, die in über zehn verschiedene Länder reisen.
Für mich war die Anreise ein Klacks, doch die anderen Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland und hatten dadurch eine längere Anreise als ich.
Ich bin also von Spich nach Köln Deutz gefahren und habe mich dort mit Sarah, einer Freiwilligen, die ebenfalls mit mir nach Kenia reist, getroffen und bin dann mit ihr zusammen den restlichen Fußweg gegangen. Während dem Gespräch mit Sarah wurde mir klar, dass ich nicht genau wusste, wie wir in 10 Tagen Vorbereitungsseminar auf ein Jahr in Kenia vorbereitet werden sollten.

Tag 1:
Nachdem Sarah und ich angekommen waren, trafen wir schon ein paar andere Teilnehmer und wurden auf unsere Zimmer verteilt.
Als die Zimmer bezogen waren begannen wir mit einer Kennlernrunde, in der sich jeder vorstellen sollte woher er kommt und wohin ihn das nächste Jahr verschlägt.
Insgesamt gehen die 27 Teilnehmer in 12 verschiedene Länder, womit mir bewusst wurde, dass dies kein Länderspezifisches Seminar werden kann.



Tag 2:
Meine Vermutung eines Seminars, welches nicht Länderspezifisch ist bewahrheitete sich mit der gemeinsamen Erstellung eines Seminarplans.
Wir erstellen eine Themensammlung, von Dingen die uns noch bewegten und die wir für uns noch geklärt haben wollten.
Aus diesen Themen entstand dann ein bunt gemixter Plan mit verschiedenen Referenten.
Nach dieser langatmigen Prozedur blieb uns dann noch Zeit Fotos und Filme zu schauen von Freiwilligen, die bereits schon mal im Ausland (Afrika & Ecuador) gewesen sind.

Tag 3:
Das Thema des dritten Tages war der "Lebensfluss". Unsere Aufgabe war es sich mit unserem Leben auseinanderzusetzen. Wir wurden in Kleingruppen eingeteilt und hatten den Vormittag Zeit unser Leben auf ein Plakat zu bringen. Am Nachmittag erzählten wir dann in unsere Kleingruppe die Dinge, die uns in unserem Leben geprägt haben, wichtige Menschen und Erlebnisse.
Nach dieser Einheit kannte ich dann sechs Lebensgeschichten mehr und hatte die Möglichkeit meine Mitteilnehmer richtig kennen zulernen. 

Tag 4/5:
Am Samstag und Sonntag bekamen wir Besuch von unserem Referenten Max Engl.
Dieser brachte uns das Thema Interkulturelle Kommunikation näher, welches meines Erachtens ein sehr interessantes und wichtiges Thema ist. 

Ich bin mir sehr sicher, dass ich viel von dem mitnehmen konnte, was Max uns erzählt hat und hoffe, dass mir das Gelernte im Umgang mit den Kenianern helfen kann.
Am Sonntagabend durften wir uns dann noch einen Rückkehrerbericht von einem Freiwilligen, der ein Jahr in Bolivien verbracht hat, anhören. 
Wir durften ihm alle Fragen stellen, die uns auf dem Herzen lagen und hatten so die Möglichkeit Eindrücke von jemandem geschildert zu bekommen, der das Erlebnis eines FSJ im Ausland schon gemacht hat.

Tag 6:
Am Montag hatten einige von uns den Vormittag frei. Dies haben ich und zwei weitere Teilnehmer genutzt und sind in die Innenstadt nach Köln gefahren. Dort angekommen sind wir in den Globetrotter und haben voller Vorfreude auf unser Auslandsjahr in Reiseführern und Landkarten geblättert.
Nachmittags sind wir dann ein Kölner Projekt besuchen gegangen, welches sich ANYWAY nennnt.
Das ANYWAY ist ein Jugendzentrum für schwule und lesbische Jugendliche. Die Aufgabe der Mitarbeiter ist die HIV/Aids Prävention für schwule Jugendliche, die Moderation des Coming- In- Day, die Leitung der Online Beratung anyway4u und dienen als Berater für Coming outs und Erstgespräche für neue Besucher.
Ein Mitarbeiter hatte für uns eine PowerPointPräsentation vorbereitet und nach dieser durften wir ihn dann mit Fragen bombadieren.
Wohl eines der interessantesten Projekte des ANYWAY ist die Webshow "Julian- junge liebe anders", die von Besuchern des ANYWAYs ins Leben gerufen worden ist. Die Jugendlichen schreiben eigene Drehbücher, sind die Darsteller der Webshow und arbeiten hinter der Kamera.


Tag 7:
An diesem Tag hatten wir das Thema "Begegnung mit Armut". Unser Referent war Bernd Kuhl und teilte das Thema in zwei Teilblöcke auf. 
In dem ersten Teil ging es um Armut in Deutschland, beispielsweise die Vermögensverteilung.
Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Armut in Entwicklungsländer. Zum Einstieg in den zweiten Teilblock sollten wir Fragen aufschreiben, die uns beschäftigen und die wir geklärt haben wollen.
Seinen Vortrag machte Bernd Kuhl mit vielen Bildern und eigenen Erfahrungsberichten unglaublich anschaulich.
Durch die Bilder von Kriminalität aufgrund von Armut und toten Kindern, die an Hunger gestorben sind wurde der Vortrag vor allem für mich sehr beklemmend und emotional. 
Aufgrund seiner Erfahrungsberichte aus Brasilien und seine Fehler und Fettnäpfchen, die er in Projekten begangen hat wurde Bernd Kuhl für mich der authentischste aller Referenten, die wir kennen lernen durften. 



Tag 8:
Zu Tagesbeginn wurden in Kleingruppen die Themen Tod, Krisenbewältigung und Drogen besprochen.
Ich war in der Gruppe mit dem Thema Tod. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Abschied, wenn dieser für immer sein kann, über Tod im Ausland und über die Frage "Wie kann ich Anteil nehmen?"
Nach diesem wirklich bedrückendem Thema bekamen wir Besuch von Rachel Eltrop. Diese klärte uns über das Thema Sicherheit in der Zusammenarbeit auf und machte uns deutlich, dass die Basis unserer Sicherheit unsere Vertrauensperson im Ausland ist.
Danach kam dann noch ein Tropenmediziner, der mit uns wichtige Themen wie Impfungen, Krankheiten und Hygiene besprach.
Dieser Besuch war für mich nochmal interessant und hat mir verdeutlicht, dass Kenia DAS Land mit den meisten Krankheiten auf der Welt ist :D. 

9 Tag:
Am vorletzten Tag hatten wir das Thema "Mein Wirken und Leben im Gastland". 
Wir teilten uns wieder in Kleingruppen auf und bearbeiteten das Thema mit einer ähnlichen Arbeitsweise wie bei dem Lebensfluss.
Wir machten uns viele Gedanken um Sorgen und Ängste und Dinge, die man noch zu erledigen hat und stellte in diesem Zuge noch einmal sein Projekt in der Kleingruppe vor.
Nach diesem Tag ist mir zum allerersten Mal wirklich bewusst geworden, dass ich in zwei Wochen wirklich für ein Jahr nicht mehr in Deutschland sein werde und konnte zum ersten Mal meine Ängste und Sorgen an mich heran lassen, die mir vorher nie so bewusst gewesen waren.



10 Tag:
Am letzten Tag reflektierten wir die vergangenen Tage und gaben eine Rückmeldung an das Team, welches uns während des Seminars als Begleiter gedient hatte.
Danach kam dann die Verabschiedung der Leute, die man in den 10 Tagen furchtbar lieb gewonnen hat.
Dies war ein  ganz komisches Gefühl, da man das Gefühl hatte, die Leute schon ewig zu kennen.

Das Seminar hat mir unglaublich viel gebracht. Ich bin mit wenig Erwartungen angereist und komme mit tollen Erfahrungen und ganz viel Tatendrang nach Hause.
Was mich wirklich sehr froh gemacht hat, ist die Tatsache, dass ich zwei meiner Mitreisenden, die mit mir ein Jahr in Kenia verbringen näher kennen lernen durfte und mich nun richtig freue die beiden öfters mal besuchen zu fahren.
Den anderen wünsche ich ein ganz tolles und erfahrungsreiches Jahr und hoffe, dass ich ein paar auf dem Rückkehrerseminar wieder treffen kann.


Ich mit Nikolas und Sarah, die mit mir zusammen nach Kenia reisen